Verkorkster Rückrundenstart
- Aktualisiert: 19. März 2026
Rückrundenauftakt – und was für einer. Nach Wochen intensiver Vorbereitung wartet gleich der Kracher gegen den Tabellennachbarn SSV Mühlwald. Nur ein Punkt trennt die beiden Teams. Gespielt wird im berüchtigten Mühlwalder Hexenkessel. Beste Voraussetzungen also für ein packendes Duell. Bereits vor dem Spiel ist klar, dass es eines der schwersten Auswärtsspiele der Saison werden wird.
Besonderes Spiel für Coach Chri und Torfrau Steinmair Johanna („Joni“), beide liefen in der Vergangenheit im Dress des SSV Mühlwald auf. Joni springt zudem kurzfristig für Manuel Messner ein, der sich nach überstandener Krankheit beim Aufwärmen plötzlich wieder unwohl fühlt.
Auch sonst sieht es personell – vor allem in der Abwehr – aktuell eher düster aus. Coach Chri war in den Tagen vor dem Spiel mehr Tüftler als Trainer und bastelte gefühlt länger an der Aufstellung als sonst an seiner Fantacalcio Mannschaft.
Verteidiger Peter Amplatz fällt mit einem Bänderriss im Sprunggelenk mehrere Wochen aus, zugezogen im Freundschaftsspiel gegen den ASC Mareo. Ob ein unglücklicher Schritt der Auslöser war oder doch das lautstarke Gebrüll von Ex-Coach Gennaro, das ihn kurzzeitig aus der Umlaufbahn gebracht hat, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden
Auch Capitano und Innenverteidiger Winkler Michi fällt aus: Seit Monaten plagt er sich mit einer hartnäckigen Schambeinentzündung und Hüftproblemen herum. Ein Einsatz in der Rückrunde? Stand jetzt so unrealistisch wie eine Woche ohne Multa für Giovanni.
Kurzerhand durfte Volgger Jaki – in seiner elften Saison beim ASV Dietenheim/Aufhofen erstmals – die Kapitänsbinde tragen. Seine Kabinenansprache? Nichts für schwache Nerven! Motivation bis in die Haarspitzen! Für diesen Moment hatte er die ganze Woche Urlaub genommen. Wer unten in der Kabine dabei war, spürte schon beim Zuhören, wie es beim ein oder anderen fast feucht in der Hose wurde.
Hochmotiviert stürzten wir uns ins Spiel und waren nach anfänglichem Abtasten in der Anfangsphase sicherlich nicht die schlechtere Mannschaft. Vor allem unsere Standards bereiteten der gegnerischen Hintermannschaft regelmäßig Kopfzerbrechen.
Die besten Chancen hatten Joey (Hannes Oberschmied), der nach seiner Verletzung in der Sommer-Vorbereitung endlich sein Pflichtspieldebüt für den ASV feiern durfte. Nach einem langen Einwurf von Marco kam er am langen Pfosten zum Abschluss, doch der Ball wurde im letzten Moment vom Gegner geblockt.
Auch unser Mittelfeldmonster Ebra zeigte seine Kopfballqualitäten, verpasste aber nach einem Freistoß freistehend knapp das Tor.
Doch auch Mühlwald war da. Freistoß von der Seite und kurze Unaufmerksamkeit unserer Hintermannschaft: Mühlwald führt schnell aus, der gegnerische Spieler trifft mit einem satten Schuss ganz genau ins lange Eck. Doch der Schiedsrichter entscheidend – vermutlich richtig – auf passives Abseits. Ein Mühlwalder Spieler hat vor dem Tor die Sicht blockiert.
Wenig später kochen kurz die Emotionen hoch, als ein Mühlwalder Spieler völlig unnötig Messner Dani bei einem Einwurf in die Ersatzbank schubst. Gab auch schon Schiedsrichter, welche dafür die Rote Karte zeigten.
Mit der Zeit wird Mühlwald stärker und beginnt das Spiel zu kontrollieren. Finanzminister Muff, frisch gebackener Feuerwehrmann und noch immer in voller Montur auf der Ersatzbank, sieht die Alarmglocken schrillen. „Alarm! Alarm!“ brüllt er – doch leider bleiben seine Warnungen ungehört.
Kurz darauf zappelt das Runde dann zum ersten Mal im Eckigen: Der pfeilschnelle gegnerische Flügelspieler entwischt unserer Abwehr und bleibt vor dem Tor eiskalt. 1:0 Mühlwald.
Abwehrchef Hatla meinte nach dem Spiel trocken: „Fost hettin no dowuschn“ – nachdem er in der Vorbereitung eine neue persönliche Bestleistung im 100 m Sprint von 47,12 Sekunden aufstellte. Am Ende reichte es aber knapp nicht.
Mit dem knappen Rückstand geht es schließlich in die Kabine – Rückstand ja, Spiel verloren? Noch nicht.
Die Halbzeitshow gehört dafür ganz klar unserem Giovanni! Vor den zahlreich erschienenen Zuschauern zaubert er einen „perverse-Elastico“ nach dem anderen auf den Platz und sorgt für Begeisterung. Während es mit den Tricks schon ganz gut hinhaut, ist beim Biertrinken noch Luft nach oben: Das Bier vom Freitagstraining (vor zwei Wochen) wurde geöffnet – aber nicht ausgetrunken. Stattdessen hat er es kurzerhand über seinem Platz „fürs nächste Training“ geparkt. Gerüchten zufolge steht es dort immer noch.
Nach dem Seitenwechsel kommt unsere Mannschaft komplett verschlafen aus der Kabine. Mühlwald kontrolliert nun über weite Strecken das Spielgeschehen nach Belieben, lässt Ball und Gegner laufen und drückt den ASV tief in die eigene Hälfte. Entlastung nach vorne? Fehlanzeige!
In der zweiten Halbzeit läuft spielerisch beim ASV gar nichts mehr. Alles zu ungenau, zu langsam und zu unkonzentriert!
Besonders Atzwanger David, der in den letzten Wochen mehr Zeit im Après-Ski als auf dem Fußballplatz verbracht hat, fühlt sich im Stich gelassen und fordert seine Mitspieler mehrmals mit einem verzweifelten „non mi lasciate perdere!“ um Hilfe auf.
Die Entscheidung fällt dann innerhalb weniger Minuten: Zuerst schlägt ein Freistoß aus rund 20 Metern im Netz ein, kurz darauf lädt unsere Hintermannschaft mit einem groben Schnitzer zum nächsten Geschenk ein. Ein Mühlwalder Spieler sagt brav Danke, läuft allein auf Joni zu und bleibt eiskalt. Spätestens jetzt ist die Partie entschieden.
Erst als Mühlwald einen Gang zurückschaltet, kommt der ASV wieder etwas besser ins Spiel. Mit der Einwechslung von Bianchi gelingt es zumindest, sich wieder gelegentlich in die gegnerische Hälfte vorzuarbeiten, wirklich zwingend wird es jedoch nicht mehr.
Für ein „Highlight“ sorgt dann noch Debütant Fatty Lamin. Neben dem Platz eher zurückhaltend, auf dem Feld jedoch als kompromisslose „Motorsega“ bekannt. Spätestens seit dem Brunecker Stadtturnier genießen selbst Oberliga-Stürmer seine ganz besondere Art der Zweikampfführung mit… sagen wir mal… Respekt.
Als der quirlige gegnerische Angreifer plötzlich allein auf unser Tor zustürmt, scheint die Situation schon verloren – doch dann: Lamin. Aus dem Nichts. Mit der Geschwindigkeit eines aufgemotzten Hilti-Passats auf der deutschen Autobahn rauscht er heran und „flext“ den Gegner nicht nur hüfthoch, sondern auf Kopfhöhe als letzter Mann weg. Der Schiri gibt Freistoß vor dem Strafraum und Gelb, wieso er nicht rot zeigt, weiß nur er.
Am Ende steht ein 3:0 für Mühlwald, das auch in dieser Höhe völlig in Ordnung geht. Hinten zu viele Fehler, nach vorne zu ungenau – eine Mischung, mit der man an diesem Tag schlicht nichts Zählbares mitnehmen kann. Die Gastgeber sichern sich die drei Punkte und ziehen somit in der Tabelle am ASV Dietenheim/Aufhofen vorbei.
Der einzige echte Lichtblick folgt danach: die dritte Halbzeit. Dort zeigt der ASV einmal mehr seine ganze Klasse. Angeführt vom unzerstörbaren Clara Felix wird die Mühlwalder Sportbar ordentlich aufgemischt. Auch wenn es auf dem Platz noch einiges zu verbessern gibt, bleibt abseits davon der ASV weiterhin eine absolute Spitzenmannschaft.
Neben Bier und Schnaps dürfte auch der Fanta-Vorrat in Mühlwalds Sportbar aufgefüllt werden müssen. „Buslfahrer“ Muff hat dort ganze Arbeit geleistet, er „inhalierte“ eine Fanta Dose nach der anderen und brachte anschließend alle (gewohnt) sicher nach Hause.
Übrigens sorgt dieser Muff auch sonst zur Zeit für Gesprächsstoff: Erstmals in der jüngeren bis mittellangen Vereinsgeschichte des ASV Dietenheim/Aufhofen hat Finanzminister Muff wegen einem Kurs in der Feuerwehrschule gleich drei vollständige Trainingseinheiten in Folge sausen lassen. Ein historischer Moment – normalerweise fehlt Muff in drei Jahren insgesamt dreimal.
Muff war bereits Teil der Amateurliga-Mannschaft, lange bevor überhaupt irgendjemand auf die Idee kam, Trainingsbeteiligungen statistisch zu erfassen. Eine lebende Konstante, fest im Vereinsinventar verankert. Kein Wunder also, dass auf dem Platz plötzlich nichts mehr zusammenläuft, wenn die Konstante im System fehlt.










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